LPG-Gasanlage im Reisemobil durch MFK Bern geprüft und abgenommen

Das Erfreuliche zuerst:

Nach einer langen Rechtsunsicherheit beim Einbau von Tank-Gasflaschen in Reisemobilen sind sich die Parteien in der Schweiz nun offenbar einig geworden. Auf Bundesebene ist das Thema zwar noch nicht durch, aber die technischen Kommissionen gaben grünes Licht. Anscheinend besteht das Problem darin, dass man keine EU-Prüfzertifikate übernehmen darf oder will.

Wie auch immer, die Motorfahrzeugkontrolle in Bern hat heute unsere Anlage geprüft, abgenommen. Dies wird nun im Fahrzeugausweis eingetragen. 

Benötigt wurden zwei Bescheinigungen:

  1. über den korrekten Einbau der Tankflaschen von einem autorisierten Fachmann.
  2. einer gültigen Gas-Dichtheitsprüfung sowie deren dazugehörende Vignette am Fahrzeug.

Da ich der erste Kandidat im Kanton, vermutlich sogar der ganzen Schweiz bin, nimmt der Chef der MFK persönlich die Prüfung ab.

Nun noch etwas Historie zu unserer Gasversorgung:

Mit dem Fahrzeugkauf 2015 hatten wir zwei Tausch-Gasflaschen installieren lassen (in Alu, weil diese je 5 kg leichter sind als die Stahlflaschen).

Diese Gasflaschen sind mit einer Duomatik verbunden, welche für eine automatische Umschaltung auf die Reserveflasche sorgt. Ein eingebauter Crashsensor erlaubt zudem, dass wir auch während der Fahrt Gasgeräte verwenden dürfen, z.B. die Heizung.

Bald mussten wir aber feststellen, dass jedes Land sein eigenes Flaschensystem hat, wodurch der Flaschentausch früher oder später zum echten Problem wurde. 

Um diesem Dilemma elegant aus dem Wege zu gehen, gibt es spezielle Tankflaschen. Diese kann man nach Bedarf an jeder LPG-Tankstelle nachfüllen. Es sind dies auch die gleichen Behälter wie die der Tauschflaschen. Erhältlich in Stahl oder in leichterem Alu. Die Tankflaschen sind sicherheitshalber zusätzlich mit einem 80% Füllstop-Ventil ausgerüstet, damit man beim Befüllen nichts verkehrt machen kann. Ausserdem sind diese Tankflaschen mit praktischen Füllstands-Anzeigern ausgerüstet.

Das ist ein bedeutender Vorteil gegenüber den Tauschflaschen, bei denen man den Gasvorrat nur durch umständliches Herausnehmen und Wiegen ermitteln kann. 

Der Umgang mit Gas ist nicht unproblematisch. Deshalb ist eine fachmännische Installation und die vorgeschriebene Gasprüfung sehr sinnvoll. 

Wir hatten zuerst nur eine Tankflasche installieren lassen. Dies mit der Überlegung, dass wir vielleicht bei einem längeren Aufenthalt auf einem Campingplatz diese Tauschflasche ersetzen könnten, ohne den Platz zu verlassen und eine Tankstelle anfahren zu müssen. 

Aber da wir eindeutige Reisemobilisten sind, im Gegensatz zu den sesshafteren Wohnmobilisten, kam die verbliebene Tauschflasche bei uns nie zum Einsatz. Sie war bei uns nur unnötiger Ballast.

Also liessen wir auch bald die zweite Tankflasche installieren.

Am Rande vermerkt: die Adapterhalterung ist ein Eigenbau. So haben wir alle Adapter immer griffbereit. Denn, wen wunderts, fast jedes Land hat seinen eigenen Anschluss an der LPG Zapfpistole.

Nach unseren Recherchen waren Tankflaschen zum Zeitpunkt unseres Einbaus in der Schweiz zugelassen. Deutschland war zu dieser Zeit punkto Tankflaschenzulassung schon ein zweigeteiltes Land. Der TÜV-SÜD und der TÜV-NORD vertreten (auch heute noch) eine unterschiedliche Auslegung und Zulassungspraxis. 

Der objektiv eigentlich nicht nachvollziehbare Streitpunk ist: Eine Tankflasche soll wesentlich strengeren Kriterien für die Befestigung erfüllen, wie eine identische Tauschflasche. 

Warum nur kommt bei mir da der Verdacht auf, dass hier weniger der Aspekt der Sicherheit im Vokus steht, als vielmehr die kommerziellen Interessen der Tauschflaschen-Branche. 

Inzwischen war die Rechtsunsicherheit auch in der Schweiz angekommen. Und wen wundert’s, dass die Fahrzeugkontrollen in den 26 Kantonen dabei nicht einheitlich vorgehen. 

So war es für uns spannend, was anfangs November 2019 passiert, wenn wir mit unserem Mobi nach 4 Jahren zur ersten periodischen Fahrzeugkontrolle in Bern vorfahren müssen: Prompt kam es zur Beanstandung der Gasanlage mit dem Vermerk: Rückbau der Tankflaschen, sofern innert 30 Tagen kein APS-Dokument vorliegt. 

Was in einem Forum zu lesen ist, war für uns keine Lösung. Dort steht geschrieben: «Mein Garagist hat die Flaschen ausgebaut, das Fahrzeug nochmals bei der MKF vorgeführt und danach war die Abnahme bestanden. Anschliessend hat er die Flaschen wieder eingebaut. Ja ich weiss, die Versicherung könnte, würde, hätte … «

Vom Gasfachmann bei Camperland in Bösingen, der unsere Anlage installiert hat, bekam ich die Auskunft, dass der Arbeitskreis LPG kurz vor der Lösung des Problems mit den Behörden sei.

Darüber informierte ich die Motorfahrzeugkontrolle und beantragte eine Fristverlängerung. Der Leiter der Fahrzeugprüfung in Bern handelte sehr kundenfreundlich in unserem Sinn. Sein Angebot: Sobald die Prüfunterlagen vorliegen und das Gassystem geprüft werden kann, solle ich mich wieder melden. Der Fahrzeugausweis wurde trotzdem schon abgestempelt. Wirklich super!

Mitte Januar 2020 war es dann soweit. Nach einer nochmaligen Prüfung der Befestigung erhielt ich von Camperland die «Einbaubescheinigung für Gasflaschen». Die Kontrollbescheinigung der Gasprüfung war noch gültig.

Allerdings leisteten wir uns noch die neueste Version der Gasprüfungs-Vignette (Investition 5 Franken). Die alte, jedoch immer noch gültige, Version ist auf den getönten Fenstern schlecht zu lesen, besonders wenn dass Rollo nicht unten ist. 

Abschliessend möchte ich der Motorfahrzeugkontrolle Bern, insbesondere dem Bereichsleiter Fahrzeugprüfungen ein Kränzlein winden. Er hat diese Angelegenheit wirklich unbürokratisch und kundenfreundlich abgewickelt. Chapeau! 

Zu einem früheren Bogbeitrag über unsere Gasversorgung.