6. Tag: Belfort (Reifenpanne)

  1. Tag, Donnerstag, 31. Mai 2018

Der Stellplatz ist vom Verkehrslärm nachts nicht ganz ruhig. Für Renate sowieso kein Thema, wenn sie die Hörgeräte demontiert. Aber auch Michael fand genug Schlaf.

Der Tag begann ganz normal.

Nach dem Frühstück marschierte Michael nochmals Richtung Zitadelle, um diese heute aus der Ferne im Sonnenlicht zu fotografieren.

Danach wollten wir weiterfahren. Dabei blieb es dann aber auch. Als Renate, – wie üblich -, irgendwelche Nachbarn anspricht, um zu fragen, ob hier heute Feiertag sei, meinte dieser: „Sie suchen sicher einen Pannendienst für Ihren Reifenschaden“.

Er hatte dies schon gestern Abend gesehen. Wir selbst aber hatten das noch nicht bemerkt. Michael freute sich noch, dass das Wasser aus unserer Duschwanne nachts so gut ablief, denn eigentlich hätten wir vorne etwas auf Keile fahren sollen.

Jetzt ging es los: Die ortsansässige Fiat Professional Werkstatt, zuständig für unseren Ducato, war im Internet schnell gefunden. Ein Anruf und uns würde geholfen. So dachten wir jedenfalls. Man erklärte uns lang und breit, in schnellem Französisch – versteht sich -, dass man vor Mitte nächster Woche keinen Termin für uns hätte. Toller Service!

Michael versucht als nächstes über den internationalen Fiat-Pannenservice eine Hilfe zu organisieren. Aber er kommt über die 0800er Nummer nicht durch.

Eine Anfrage bei unserer Fiat-Werkstatt in der Schweiz, ob sie eventuell noch eine andere Telefonnummer kennen, bringt auch nichts. Aber der Kundendienstmitarbeiter Konstantin Koutalakis ist sehr hilfsbereit und bietet sogar an, sich für eine Werkstatt zu bemühen, falls wir keine Hilfe bekommen würden.

Denn inzwischen kamen die deutschen Camper-Nachbarn, die unser „Schicksal“ kannten, aus dem Ort zurück. Sie haben dort bei der Touristeninformation eine Firma auf den Platz bestellt, die unsere Reifenpanne beheben würde.

Gegen 12 Uhr kam der Servicemann und nahm das Rad ab und mit.

Eine halbe Stunde später war das reparierte Rad schon wieder am Mobi montiert.

Er brachte die Schraube mit, die wir eingefahren hatten.

Ich wollte bezahlen, aber er meinte, ich solle heute oder morgen zur Firma Midas kommen. Die befindet sich nur 1.2 Kilometer von hier entfernt.

Also unternahm Michael nachmittags einen Fussmarsch und bezahlte unsere Schulden. 23 Euro für die Reparatur und 40 Euro Arbeits- und Fahrtkosten. Eine humane Preisstellung.

Als Michael dem Mann an der Kasse von dieser unmöglich langen Wartezeit bei der hiesigen Fiat-Werkstatt erzählte, meinte er nur schmunzelnd: „wir sind hier in Frankreich, da ist das normal !“

Jedenfalls sind wir heute nicht mehr weitergefahren.

Fazit: Viel Glück, dass der Reifenschaden hier auf dem Stellplatz passierte und nicht irgendwo im Gelände.

Heute Abend haben wir diese hilfsbereiten Camper-Nachbarn zu uns auf ein Glas Wein eingeladen.

Ergänzung: Wir verbrachten mit Anneliese und Hermann aus der Nähe von Regensburg einen sehr unterhaltsamen Abend bei uns. Wir tauschten interessante Erfahrungen über Reiseziele aus.

Gefahren: 0 km

5. Tag: Weil am Rhein – Altkirch – Belfort

  1. Tag, Mittwoch, 30. Mai 2018

Nach einer ruhigen Nacht am Rheinufer in Weil am Rhein, sowie unserem Frühstück und einigen Morgenkaffees, starteten wir dann doch endlich zu unserer eigentlichen Reise in die Bretagne.

Otto, unser Navi, wollte uns über die Schweiz via Bern und Genf leiten. Wir aber wollen etwas von Frankreich sehen. Das Elsass und das Departement Haute Rhin ist sehr schön.

Wir geben erst einmal Altkirch ein und fahren auf einer „grünen“ Route.

Mehrmals kreuzen wir den Rhein-Rhone Kanal mit seinen vielen Schleusen. Es ist schon bald wieder sehr heiss.

Für die Mittagspause finden wir zum Glück Schatten.

Viel Landschaft . . .

. . . viel Grün

. . . viele Kühe.

Danach kommen wir nach Belfort, eine Industrie- und Garnisonsstadt.

Eine mächtige Festungsanlage erwartet uns am Ortseingang. Gleich nebenan ist ein guter Stellplatz, den wir ansteuern und wo wir hängenbleiben.

Es ist noch viel zu heiss für die Besichtigung der Zitadelle. Im Schatten warten wir, bis die grösste Hitze vorbei ist.

Als wir uns auf den Weg machen, ist die Sonne weg, aber dafür sieht es auch nach Regen aus. Wir wagen es trotzdem. Immer noch ist es schwülwarm.

Die Zitadelle wurde im 17. Jahrhundert auf dem Areal einer mittelalterlichen Burg auf Felsen erbaut. Eine weitläufige Verteidigungsanlage, die mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen hat.

Wir kommen ganz schön ins Schwitzen, bis wir den steilen Weg und die vielen Treppen geschafft haben.

Oben haben wir ringsum einen wunderbaren Ausblick weit ins Land und auf die Stadt.

Auch den Reisemobil-Stellplatz sehen wir in der Ferne.

Es beginnt leicht zu regnen als wir gerade zuoberst auf der Aussichtsterrasse sind. So machen wir uns lieber auf den Rückweg. Es bleibt bei leichtem Nieselregen, sodass wir nur leicht nass werden.

Abends, nach Renates feinem Essen, kommt die Sonne sogar noch einmal durch.

Wenn wir weiter so bummeln, kommen wir noch lange nicht in die Bretagne. Aber wir sind ja nicht auf der Flucht.

Gefahren: 90 km

4. Tag: Buchen – Sinsheim – Rastatt – Bad Krozingen – Basel/Zoll – Weil am Rhein

  1. Tag, Dienstag, 29. Mai 2018

Auf diesem ruhigen Platz in Buchen, – es plätscherte nur der Bach -, haben wir wunderbar geschlafen.

Beim Fortfahren heute Morgen musste Michael zurückstossen, um vorwärts wegfahren zu können. Dabei versanken die Hinterräder auf dem gegenüberliegenden Stellplatz, wo die Wiese sehr weich war. Aus dieser Lage kamen wir nur mit genug Schwung und etwas Glück wieder heraus.

Die Landstrasse über Mosbach, Sinsheim ist gut zu fahren und auch landschaftlich sehr schön.

Die Autobahn A6 wird vor dem Walldorfer Kreuz momentan auf mehreren Kilometern Länge erneuert. So viele Baumaschinen haben wir noch nie im Einsatz gesehen. Aber wir kamen in zügiger Kolonnenfahrt gut voran.

Auf der A5 nach Basel lief der Verkehr in unserer Richtung auch problemlos. Aber in der Gegenrichtung staute sich Lastwagen an Lastwagen auf mehreren Kilometern. Da hatten wir auf der Hinfahrt am letzten Samstag richtig Glück, denn da hatten wir wenig Verkehr.

In Rastatt machten wir bei Ingrid und Werner einen kurzen Besuch. Wir wurden herzlich empfangen, auch von Felix, dem Hund. Allzulange konnten wir nicht bleiben, denn wir wollten unser heutiges Programm bewältigen.

Nächster Halt war beim LMC-Händler in Bad Krozingen-Biengen. Dorthin hatten wir den Ersatzdeckel für unseren zerstörten Dieseltankdeckel bestellt. Der Deckel war auch da, aber der Schliesszylinder dazu nicht.

Da ich wohlweisslich den alten Deckel eingepackt hatte, konnten die Mechaniker diesen Schliesszylinder einbauen. Nun haben wir auch diese Baustelle beseitigt.

An der Grenze in Basel erledigen wir dann noch die Zollabfertigung der neuen Lithium-Energieversorgung. Nun sind erst einmal alle technischen Hürden überwunden und wir können unser eigentliches Ziel, die Bretagne, in Angriff nehmen.

Wir fahren in Weil am Rhein auf einen uns schon bekannten Stellplatz, schön gelegen direkt am Rhein.

Grosse Hotelschiffe fahren gegenüber in den Kanal zur Schleuse Kembs.

Wir erleben noch ein schönes Abendrot, aber gemischt mit bedrohlichen Gewitterwolken.

Da kommt noch etwas auf uns zu.

Gefahren: 360 km

3. Tag: Schöllkrippen – Aschaffenburg – Miltenberg – Bürgstadt – Buchen

  1. Tag, Montag, 28. Mai 2018, unser 53. Hochzeitstag.

Heute Morgen wurden, wie geplant, die neuen Lithiumbatterien eingebaut. Alles stand schon zum Einbau bereit und wurde durch Herrn Bendrick mit grosser Sorgfalt installiert. Auch die administrative Abwicklung ging mit Herrn Ronny Mergner sehr zuvorkommend über die Bühne. Wir blieben dann dort noch bis zum frühen Nachmittag am Strom hängen, um die neuen Batterien voll aufzuladen.

In der Nachbarschaft entdeckten wir diesen kuriosen Rasenmäher mit Fahrradantrieb.

Wir verlassen den Spessart . . .

. . . fahren durch Aschaffenburg am Schloss Johannisburg vorbei über den Main.

In Miltenberg fahren wir wieder über die Mainbrücke mit dem markanten Brückenkopf

und sehen am Grauberg das Haus aus Michaels Kindheit sowie das Haus Turmeck, wo wir heute vor 53 Jahren unsere Hochzeit gefeiert haben.

in Bürgstadt am Main machen wir einen kurzen Besuch bei Regina und Albrecht, mit denen uns eine alte Freundschaft verbindet.

Weitere Besuche bei Freunden und Bekannten in der Gegend müssen ausfallen, denn wir wollen ja eigentlich nach Frankreich. Man möge uns verzeihen.

Es ist schrecklich heiss auf der Weiterfahrt und so steuern wir früher als geplant einen uns schon bekannten Stellplatz in Buchen an. Im Waldschwimmbad gleich nebenan finden wir Abkühlung.

Danach sind wir wieder fit und bereiten uns ein feines Essen: Grillade mit Salat bei einer guten Flasche Rotwein.

Gefahren: 110 km

2. Tag: Reichelsheim – Michelstadt – Laudenbach/Main – Schöllkrippen

2. Tag, Sonntag, 27. Mai 2018

Wir haben die erste Nacht im Mobi wunderbar geschlafen. Der Stellplatz der Gemeinde liegt zentral im Ort und doch ruhig. Die Sonne brennt schon früh morgens. Wir parken um, damit wir so lange wie möglich Schatten haben. Als wir den Ort erkunden wollten, entdeckt Renate den Wegweiser „zum Schloss Reichenberg“. Ohne zu wissen wie weit das ist, machen wir uns auf den Weg.

Es geht etwa 2 Kilometer in Serpentinen bergauf, aber da die grossen Bäume Schatten geben, war es erträglich.

Schon nach der Hälfte des Weges schaut man weit ins Land.

Ein Paradies für Reiter.

Das Schloss Reichenberg war ursprünglich ein Höhenschloss aus der Stauferzeit. 1307 wird sie erstmals erwähnt. Bis 1731 lebten einige Erbacher Grafen hier. Seit 1924 ist das Schloss in Privatbesitz mit unterschiedlicher Nutzung. Heute ist das Schloss ein Begegnungs- und Lebensort der Kommunität.

Wir geniessen einfach die schöne Aussicht.

Danach spazieren wir wieder hinunter in den Ort.

Die Kirche im Zentrum und darum herum einige nette Winkel und Bauten.

Zurück beim Mobi flitzt ein Eichhörnchen über den Platz und schaut uns keck von einem Baumstamm an „fang‘ mich doch“.

Es ist recht heiss heute. Das Thermometer hier zeigt 34° im Schatten.

Nachmittags fahren wir einen kleinen Umweg nach Michelstadt.

Der Odenwald ist landschaftlich sehr schön.

Einmal der Weitblick

Dann wieder grüne Täler und kleine Bäche.

In Michelstadt ist der letzte Tag des Volksfestes „Bienenmarkt“, dem wir bei dieser Hitze aber lieber aus dem Wege gehen.

Den Blumenkorso verpassen wir knapp, sehen aber noch einzelne Heimkehrer.

Dafür ist das historische Rathaus von 1484 mit seinen mächtigen Eichenpfosten immer wieder begeisternd.

Auch die vielen hübschen Fachwerkbauten tragen dazu bei, dass Michelstadt bei Touristen sehr beliebt ist. Die hier und im nahen Erbach traditionell beheimatete Elfenbeinschnitzerei ist wohl nicht mehr sehr zeitgemäss.

Schön zu sehen: Ein Protest gegen Rassismus

Unser Navi führt uns ins Maintal hinunter nach Laudenbach (nur 7 km von Miltenberg entfernt) und dann in einem fragwürdigen Bogen um Aschaffenburg herum an unseren Zielort Schöllkrippen. Der Ort liegt am westlichen Rand des Spessarts und zählt noch zu Unterfranken.

Wir stehen hier bestens, sogar mit Wasser und Stromanschluss, vor der Firma FraRon, wo wir morgen einen Termin für unsere neue Stromversorgung haben.

Trotz der Hitze zaubert Renate noch ein leckeres warmes Abendessen.

Dazu geniessen wir gut gekühlt einen ausgezeichneten „Pinot Grigio“, den Renate! gestern für kleines Geld im REWE erstanden hat. Im Nachhinein eine sehr gute Wahl.

Gefahren: 100 km

1. Tag: Bern – Basel – Neuenburg – Weinheim – Reichelsheim

  1. Tag, Samstag, 26. Mai 2018

Heute soll es also wieder für längere Zeit losgehen.

Im Vorfeld gab es noch einige Vorbereitungen und auch Überraschungen.

Als Michael vorgestern zum Fahrzeug kam, sass der Dieseltank-Deckel nur noch lose im Einfüllstutzen. Es sah nach Fremdeinwirkung aus, aber wer soll schon auf unserem Parkplatz daran manipuliert haben? Ein Ersatz war gar nicht so einfach zu bekommen. Meine Fiat-Garage gab sich Mühe, aber unter der Fahrgestellnummer war ein ganz anderer Deckel gelistet. Da hat LMC bei den Integrierten einen eigenen Tankdeckel-Typ verbaut. Also bestellte ich bei einem LMC-Händler, bei dem wir in der nächsten Woche vorbeikommen werden, einen auf unser Schlüsselsystem passenden Ersatz. In einem Shop fand ich als Provisorium einen passenden Deckel, allerdings ohne Schloss.

Michael fand, dass der Mobi vor unserer Reise unbedingt wieder einmal gewaschen werden sollte.

Es hatten sich seit der letzten Wäsche hässliche Regenstreifen gebildet.

Mit dem „Caravan- und Bootsreiniger“ von Dr.Keddo geht dieser Schmutz (fast) mühelos weg.

Trotzdem hatte Michael am Abend einen Muskelkater.

Dann hatten wir beide noch einen Termin bei unserer Coiffeuse Frau Kahfi. Sie verpasste uns auf speziellen Wunsch einen Sommerschnitt, der bis zum Herbst halten soll. Damit soll verhindert werden, dass Renate irgendwo unterwegs einen „Preussenschnitt“ bekommt, mit dem unsere liebe Frau Kahfi wieder ein Jahr lang zu kämpfen hat.

Auch Michael hat Haare gelassen.

 

Gestern Abend wurde, bis auf einige Kleinigkeiten alles eingeladen und der Kühlschrank in Betrieb genommen und gefüllt, bis auf die Tiefkühlwaren.

Heute Morgen dann der Schreck: keine Kälte im Kühlschrank, weil beide Gasflaschen leer waren. Also fahren wir noch schnell zur LPG-Tankstelle in Bern. Aber die war ausgerechnet heute nicht in Betrieb.

Nun packten wir zuhause ruckzuck die restlichen Kleinigkeiten plus die Tiefkühlprodukte ein und machten uns rasch auf den Weg. Während der Fahrt wird der Kühlschrank elektrisch betrieben.

Unterwegs konnten wir dann wieder Gas nachtanken und bei unserer Mittagspause im Raum Offenburg lief der Kühlschrank wieder auf Gas.

Es war sehr heiss unterwegs. Am Schwarzwaldrand bildeten sich mächtige Gewitterwolken.

Die Autobahn war erstaunlich leer und wir kamen gut voran.

In Weinheim verliessen wir die Autobahn.

Kurz danach fuhren wir durch den „Saukopftunnel“. Er unterquert den Westkamm des Odenwaldes in einer Länge von fast 3 Kilometern.

Durch eine wunderschöne Landschaft erreichen wir unseren heutigen Standplatz

in Heubach bei Reichelsheim.

Gefahren: 400 km